Ökostromanbieter
in Deutschland

Die Naturstrom AG wurde als erster deutscher Ökostrom-Anbieter am 16. April 1998 in Düsseldorf von Naturschutz- und Erneuerbare-Energie-Verbänden (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz, Bundesverband WindEnergie, Eurosolar, Fachverband Biogas und andere) gegründet, um den Ausbau der erneuerbaren Energien zu stärken. Darum kaufte die Naturstrom AG den Strom zunächst bei Betreibern von Solar-, Wind-, Wasser-, Biomasse- und Geothermiekraftwerken, die ihre Anlagen mit der staatlich garantierten Vergütung allein nicht wirtschaftlich betreiben konnten. Kurz nach der Marktliberalisierung 1998 entstanden die Elektrizitätswerke Schönau, Greenpeace Energy und LichtBlick, die sich ebenfalls klare politische Forderungen auf die Fahnen geschrieben haben. Sie wollen den Anteil der erneuerbaren Energien am deutschen Strommix erhöhen und investieren deshalb auch in diese. Ihre Kunden sind vor allem ökologisch und politisch interessierte Bürger und Unternehmen, die gerade in den Anfangsjahren schon bereit waren, auch höhere Preise zu zahlen, doch ist diese Preisdifferenz inzwischen weitgehend verschwunden. Aus verbraucherrechtlicher Sicht sind neben den Preisen Vertragskonditionen wie Preisgarantie, Vertragsdauer und Kündigungsfristen weitere wichtige Aspekte. Ökostrom-Tarifrechner wie die kommerziellen von check24.de und verivox oder die auch von Verbraucherorganisationen unterstützte Verbraucherportale wie co2online, EcoShopper und EnergieVision erleichtern den Vergleich von Preisen und Konditionen.

Liste der Anbieter, die ausschließlich Ökostrom anbieten (nach Kundenzahl sortiert)

  • LichtBlick (580.000 Kunden, Stand 07/2010)
  • Elektrizitätswerke Schönau (EWS) (96.000 Kunden, Stand 08/2010)
  • Greenpeace Energy (95.000 Kunden, Stand 03/2010)
  • Naturstrom AG (80.000 Kunden, Stand 11/2010)

Die Strommixer GmbH mit Sitz in Jemgum (Ostfriesland) ist mit ca. 8.000 Kunden ein kleiner Anbieter von Ökostrom (Stand 10/2009). 2008 wurde das Unternehmen dafür kritisiert, den gesamten Strom bei der EnBW-Tochter NaturEnergie AG einzukaufen, und wurde auch in einer Studie von Robin Wood über den Ökostrommarkt nicht unter den vier einzigen bundesweiten, unabhängigen Ökostromanbietern gelistet. Seit 2009 gibt die Strommixer GmbH jedoch an, die Herkunft des an der Strombörse Leipzig eingekauften, ökologisch produzierten Stroms mit RECS-Zertifikaten nachweisen zu lassen. Nur maximal 5% wird demnach weiter bei der NaturEnergie AG eingekauft.

LichtBlick nimmt eine Sonderstellung ein, da LichtBlick zwar ausschließlich Ökostrom vermarktet, aber für Spitzenlasten Kohle- und Atomstrom zukauft.

Auch einige der großen Stromversorger bieten neben konventionellem Strom auch „Ökostromtarife“ an. Hierbei muss in der Regel ein Aufschlag auf den normalen Strompreis gezahlt werden. Dadurch, dass der Ökostrom aus dem konventionellen Strom ausgegliedert wird, sinkt der Ökostrom-Anteil bei diesem. Insgesamt verändert sich also hierdurch der Anteil des Ökostroms am Gesamtstrom nicht. Der Ökostromnutzer muss aber für seinen Tarif mehr bezahlen. So bekommen die Unternehmen mit einem einfachen Mittel zusätzlich Geld in die Kasse. Teilweise wird das Ökostrom-Geschäft auch in eigenständige Tochtergesellschaften ausgegliedert:

NaturWatt GmbH (Gesellschafter: EWE AG aus Oldenburg, die Stadtwerke Emden und die Wirtschaftsbetriebe der Stadt Norden. Hier jedoch werden keine Gewinne an die Gesellschafter ausgeschüttet, sondern für den Ausbau und die Förderung erneuerbarer Energien eingesetzt. Auch wird der Ökostrom von NaturWatt nicht aus dem Strommix der EWE ausgegliedert, sondern von der NaturWatt selbst beschafft und auch an diverse Stadtwerke sowie die EWE für deren eigene Ökostromprodukte geliefert.

NaturEnergie AG, eine Tochter der EnBW

Zwischenzeitlich haben auch große Energieversorger für einen Teil ihrer Kunden komplett auf „Ökostrom“ umgestellt, zum Beispiel die Stadtwerke Kassel,  die Energie SaarLorLux,  der hessische Anbieter Entega, die Stadtwerke Unna, die WEMAG (Schwerin) oder die Stadtwerke Wedel. Verbraucherschützer sowie Greenpeace werfen den Versorgern allerdings Manipulationen beim Handel mit RECS-Zertifikaten vor, wodurch konventioneller Strom als Ökostrom deklariert wird. Dadurch wurde es auch möglich, dass diese Stadtwerke in kürzester Zeit komplett auf "Ökostrom" umstellen konnten. Denn die Zertifikate kosten weniger, als die Einnahmen durch den verkauften "Ökostrom" wieder einbringen. Da bei dieser Umdeklarierung des Stroms trotzdem häufig der ursprüngliche Ökostrom weiterhin als solcher verkauft wird, findet hier also ein doppelter Verkauf desselben Ökostroms statt, was einer Umdeklarierung gleichkommt. Die Einkäufer der RECS-Zertifikate sind u. a. Tochterfirmen der Energiekonzerne E.on, EnBW und Vattenfall.

Einige Stadtwerke haben allerdings auch ohne Verwendung von RECS-Zertifikaten auf Ökostrom umgestellt. Hierzu zählen beispielsweise die Stadtwerke Wolfhagen. Die NaturWatt GmbH hat sich neben dem eigenen Ökostromgeschäft auf die Belieferung von Stadtwerken mit zertifizierten Ökostromprodukten spezialisiert. Damit werden die Markteintrittskosten für Stadtwerke deutlich reduziert.

Die Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (ASEW) im Verband kommunaler Unternehmen hat zwei Ökostrom-Marken namens watergreen und energreen entwickelt, die von ca. 80 verschiedenen Stadtwerken angeboten werden, oft ohne eine Komplettumstellung auf Ökostrom.

Größter Nutzer von Ökostrom ist die Rewe Group, die im Januar 2008 ankündigte, ihren jährlichen Energiebedarf von zwei Terawattstunden Strom künftig mit Ökostrom zu decken. Der Strom kommt von der Hamburger Energie-Handels-Gesellschaft (EHA), einer Tochterfirma von Rewe und Vattenfall. Es handelt sich hier nicht um physischen Ökostrombezug, sondern um den Bezug der entsprechenden Menge RECS-Etikette mit Herkunftsnachweis. Der Grünstrom ist zertifiziert nach dem Label EE01 des TÜV SÜD, d.h. mindestens 25 % der Erzeugungsanlagen von erneuerbaren Energien sind jünger als 3 Jahre.

Der Anteil des als Ökostrom verkauften Stroms am gesamten Stromabsatz für private Haushalte in Deutschland betrug im Jahr 2007 mit 2,9 Milliarden kWh etwa zwei Prozent.